Doch nur eine Quotenfrau?

Sind Männer die besseren Führungskräfte? Seit 01. Mai 2015 ist das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst in Kraft. Es soll dazu beitragen, den Anteil von Frauen in Führungspositionen signifikant zu erhöhen und einen Kulturwandel in den Unternehmen anzustoßen. Doch findet dieser Kulturwandel wirklich statt? Dies wollten wir in unserer Umfrage herausfinden.

Der Großteil der Befragten ist sich schnell einig: Männer bleiben lieber unter sich und Frauen werden wichtige Führungsaufgaben oft nicht zugetraut. Doch welche Gründe führen wirklich dazu, dass nur wenige Frauen führen? Einige der Befragten nennen die „gläserne Decke“, die Ihnen den Aufstieg in die Führungsriege versperrt, als Hauptgrund. Neben auftretenden Hindernissen sollen hierbei auch Stereotype und Vorurteile Gründe dafür sein, dass Frauen nicht in Führungspositionen gelangen und einen mangelnden Zugang zu den nötigen Netzwerken haben.

Andere nennen die fehlende Affinität der Selbstvermarktung als Faktor für die niedrige Quote der Frauen in Führungspositionen. Während Männer ihr Außenbild bewusst gestalten, setzen Frauen vermehrt auf den Gemeinschaftssinn und verlassen sich auf ihre Kompetenzen. Daher wünschen sich viele der Befragten Coaching-programme, die im Alltag unterstützen, um ein besseres Image nach außen zu entwickeln.

Doch auch die Nichtvereinbarkeit von Familie und Beruf spielt heutzutage noch eine große Rolle. So wünschen sich viele der Befragten eine betriebliche Kinderbetreuung oder die Möglichkeit des Home-Offices, um flexibel ihren Arbeitsalltag zu gestalten.

Erfahren Sie auf der nächsten Seite weitere Gründe und Meinungen zu diesem Thema von Nicolas Rohlfs und Susanne Goerke. Auch Britta Müller gibt Ihnen als weibliche Führungskräfte wertvolle Ratschläge.

Spielt das Geschlecht wirklich eine Rolle?

Viel ist dieser Tage vom Kulturwandel in der Wirtschaft die rede. Ob ‚Girlsday‘, Frauenquote oder freiwillige Selbstverpflichtung – Unzweifelhaft ist die weibliche Kollegin „in“. Trotzdem ist die Zahl von Frauen in TOP-Positionen überschaubar.

Die Parität hat Verspätung. Strukturelle Defizite in Wirtschaft und Gesellschaft führen zu einer indirekten Benachteiligung bei den Karrierechancen: insbesondere die Vereinbarung von Familie und Beruf, die Frauen stärker als Männern abverlangt wird, führt zu Elternpausen, kürzeren Wochenarbeitszeiten oder weniger Überstunden. Dies lässt Frauen bei Beförderungen im Vergleich zu ihren länger arbeiten den Kollegen ins Hintertreffen geraten.

Gibt es aber spezifische Hürden, denen sich Frauen, die in einer Führungsposition angekommen sind, stellen müssen? Führung entfaltet sich in Wechselwirkungen von Führungskraft, Gruppe und organisatorischer Einbettung. Sie gelingt daher nur insofern und insoweit dies die individuellen Fähigkeiten der Führungskraft ermöglichen, die Gruppe annimmt und die Organisation zulässt. Diesen Herausforderungen sind sowohl Männer als auch Frauen ausgesetzt. Auch geschlechter-spezifische Erwartungshaltungen, z. B. das Rollenbild des dominanten, offensiven Anführers oder der kooperations- und mitarbeiterorientierten Anführerin, belasten weibliche und männliche Führungskräfte gleichermaßen – nicht jede männliche Führungskraft ist ein „harter Hund“ und besonders durchsetzungsstark, nicht jede weibliche Führungskraft eine „selbstlose Teamplayerin“ und besonders gut in der vermittelnden Beilegung von Konflikten.
Spezifische, nur weibliche Führungskräfte betreffende Hürden gibt es meiner Ansicht nach daher nicht. – Nicolas Rohlfs

Wie viele Frauen wollen führen?

Woran es liegen mag, dass es so wenig Frauen in Führungspositionen gibt? Nun, es kommt sicherlich hin und wieder vor, dass ein Mann in der Schlüsselposition sitzt und einer Frau nicht zutraut, dass diese das gerade führungslose Team so gut bändigen
kann wie ein Mann. Daneben scheuen sicherlich noch immer einige Unternehmen die naturgemäße Möglichkeit, dass eine Frau wegen Schwangerschaft eine Weile ausfallen könnte. Doch das sind, so denke ich, nicht die einzigen und auch nicht die hauptsächlichen Gründe. Aus meiner Sicht ist einer der Hauptgründe, dass Frauen sich selbst einfach deutlich seltener in einer Führungsrolle sehen oder vielleicht sogar nicht so viel Verantwortung übernehmen wollen. Auch die Furcht, sich durch das Übernehmen einer Führungsposition viel mehr Konflikten auszusetzen und mehr Entscheidungen treffen zu müssen, spielt meines Erachtens nach eine Rolle.

Wieso das so ist? Ich denke, dass noch immer die Erziehung einen großen Teil dazu beiträgt. Die meisten Männer sind nach meiner Erfahrung deutlich stärker daran interessiert, in ihrem Beruf eine Machtposition auszuüben.

Gesetzliche Quoten nützen daher wenig. Ob Frauen die besseren Führungskräfte sind? Das lässt sich so pauschal nicht sagen.

Viele Frauen in Führungspositionen haben regelrecht männerspezifische Verhaltensweisen übernommen. Die „weiblichen Eigenschaften“, von denen man sagt, dass sie in einer Führungsrolle sehr wertvoll wären – also gutes Zuhör-vermögen, Einfühlungsvermögen usw., sind auch bei Männern häufig in großem Maße vorhanden. Oft ermutigen wir in Coachings und Trainings Männer in Führungspositionen,
diese Eigenschaften auch zu nutzen und zu zeigen. – Susanne Goerke

Männer und Frauen kämpfen zu gleichen Teilen mit Vorurteilen, schwierigen Teams und unvorteilhafter Organisation.
Nicolas RohlfsSenior Research Consultant

Viele Frauen in Führungspositionen haben regelrecht männerspezifische Verhaltensweisen übernommen.
Susanne GoerkeLeiterin der Personalentwicklung, Partnerin
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